Artikel in AIS-Studien Jahrgang 12, Heft-Nr. 1 (2019)

Zur realen Virtualität von Arbeit. Raumbezüge digitalisierter Wissensarbeit

Mascha Will-Zocholl, Jörg Flecker, Philip Schörpf

Zusammenfassung

Der Beitrag behandelt die Veränderungen physischer und geografischer Raumbezüge im Zuge der zunehmendenDigitalisierung von Wissensarbeit. Ausgangspunkt ist die häufig vorgebrachte „anyplace-anytime“-These, nach welcher Ort und Raum unbedeutend werden. Dem wird ein differenzierteres Konzept der Ablösung sozialer von geografischen Raumbezügen gegenübergestellt. Am Beispiel der öffentlichen Verwaltung, der Entwicklungsarbeit in der Automobilindustrie und der Online-Plattformen für kreative Aufgaben wird gezeigt, dass geografische Raumbezüge in höchst unterschiedlichem Maße ausgeweitet werden. Zugleich bleiben auch bei geringen Ausprägungen von Ortsgebundenheit die lokalen und nationalen Bezüge relevant. In der digitalisierten Arbeit sind demnach eine Vervielfachung der geografischen Raumbezüge und entsprechende multi-skalare Praktiken festzustellen und den Entwurf einer Typisierung von Raumbezügen. Aus den Befunden lässt sich die Forderung an die Arbeitsforschung ableiten, bei der Analyse digitalisierter Arbeit multiple Raumbezüge und unterschiedlicher Muster räumlicher Bezüge stärker zu berücksichtigen.

Title (english)

The Real Virtuality of Work. Spatial References of Digitized Knowledge Work

Abstract (english)

This paper deals with changes in physical and geographic spatial relations through the digitalisation of knowledge work. It takes as its starting point the frequently put forward anyplace-anytime argument maintaining that place and space are becoming irrelevant. This is contrasted with a more nuanced concept of a detachment of social spaces from geographical ones. Public administration, product development in the automobile industry and online-platform work in creative occupations are taken as empirical examples to show varying degrees of extending spatial relations. But even if activities are weakly tied to a physical or geographic place or space, local and national relations remain important. This leads to a multiplication of spatial relations resulting in multi-scalar practices in digitalised work and a draft typology of spatial references. This makes it necessary for work research to take in to account multiple spatial relations to a larger extent.

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