Artikel in AIS-Studien Jahrgang 19, Heft-Nr. 1 (2026)

Klasse und Moral: Gerechtigkeitsansprüche und Arbeitskonflikte bei der Deutschen Post

Jorin vom Bruch

Zusammenfassung

Die Deutsche Post erbringt Jahrzehnte nach der Privatisierung gesetzlich geschützte Universaldienste. Die Regulierung schränkt Preiserhöhungen und Leistungskürzungen ein. Daher forciert das Management die Rationalisierung von Arbeitsprozessen und die Reduzierung von Personalkosten, die mit vielschichtigen innerbetrieblichen Auseinandersetzungen einhergehen. Die Aushandlungen sind in eine betriebliche Sozialordnung eingebettet, die sowohl von dem sozialintegrativen Erbe der ehemaligen Bundespost geprägt ist, als auch durch eine „vermarktlichte Unternehmensführung“ (Sauer 2018). In den Konflikten werden tiefliegende moralische Überzeugungen und Gerechtigkeitsansprüche einer sozial heterogenen Belegschaft sichtbar. Der Beitrag rekonstruiert die Moralökonomie der Post-Belegschaft und verortet sie mit Hilfe einer Forschungsheuristik klassentheoretisch. Die Vermittlung von Arbeitssoziologie und Klassendebatte schließt so wechselseitig konzeptionelle Leerstellen.

Title (english)

Abstract (english)

Decades after privatisation, Deutsche Post continues to provide universal services that are protected by law. Regulation restricts price increases and service cuts. Management is therefore pushing for the rationalisation of work processes and the reduction of personnel costs, which is accompanied by complex internal disputes. The negotiations are embedded in a corporate social order that is shaped both by the socially integrative legacy of the former Federal Post Office and by ‘market-oriented corporate management’ (Sauer 2018). The conflicts reveal the deep-seated moral convictions and demands for justice of a socially heterogeneous workforce. This article reconstructs the moral economy of the postal service workforce and locates it within class theory using a research heuristic. The mediation of work sociology and class debate thus fills mutual conceptual gaps.

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