Kontrolle von unten. Die Rolle digitaler Technik bei der Umsetzung qualitativer Tarifverträge
Isabell Mader, Ingo Singe
Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht, wie digitale Datentechnik im institutionellen Setting von Entlastungstarifverträgen zu einem Machtmittel der Krankenhausbeschäftigten werden kann. Qualitative Tarifverträge teilen mit Arbeitsrechten das Problem der Rechtsdurchsetzung: Ihre Unbestimmtheit eröffnet der Arbeitgebendenseite Spielräume, tarifliche Vereinbarungen zu unterlaufen. Auf Grundlage qualitativer Interviews mit Pflegefachkräften aus zwei Berliner Krankenhäusern zeigen wir, wie ein technikgestütztes System struktureller Kontrolle von unten errichtet wird. Den analytischen Rahmen hierzu bildet Edwards‘ Kontrollkonzeption. Die Ergebnisse zeigen, dass automatisierte Datenverarbeitung und digitaler Transparenz den Kontrollaufwand reduzieren und kollektives Interessenhandeln stärken können. Zugleich wird deutlich: Digitale Technik kann soziale Machtformen nicht ersetzen, sondern nur unterstützen.
Title (english)
Abstract (english)
This article examines how digital data technology can become a tool of power for hospital staff within the institutional framework of collective agreements designed to reduce workloads. Qualitative collective agreements share the problem of legal enforcement with la bour laws: their indeterminacy gives employers scope to circumvent the terms of the agreements. Based on qualitative interviews with nursing staff from two Berlin hospitals, we show how a technology-supported system of structural control from below is established. Edwards’ concept of control provides the analytical framework for this. The results show that automated data processing and digital transparency can reduce the burden of control and strengthen collective action in the interests of the workforce. At the same time, it becomes clear that digital technology cannot replace forms of social power, but only support them.