Der Kampf um Anerkennung von Kita-Fachkräften
Yalçın Kutlu
Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht, ob und inwiefern Missachtungserfahrungen pä dagogischer Fachkräfte in Kitas Ausgangspunkt kollektiver Anerkennungskämpfe sind. Im Fokus stehen Streikmotive, die nicht allein auf Lohnforderungen, sondern auf Erfahrungen symbolischer Abwertung, fehlender Fachlichkeit und geschlechterspezifischer Diskriminie rung gründen. Auf Grundlage von Gruppendiskussionen und Expert:inneninterviews wird ge zeigt, dass es sich nicht um klassische Lohnkonflikte, sondern auch um symbolisch aufgela dene Anerkennungskämpfe handelt. Die Ergebnisse bestätigen Frasers These eines „perspektivischen Dualismus“: Symbolische Abwertung und ökonomische Benachteiligung verschränken sich im Arbeitsalltag von Sorgearbeiter:innen strukturell. Die Ergebnisse legen nahe, dass kollektive Mobilisierung begünstigt wird, wenn individuelle Missachtungserfahrun gen durch kollektive Semantiken in einen gemeinsamen Deutungsrahmen eingebettet werden und dass Streiks in feminisierten Sorgeberufen als Ausdruck gesellschaftspolitischer Auseinan dersetzungen um Sichtbarkeit, Status und Geschlechterverhältnisse verstanden werden kön nen.
Title (english)
Abstract (english)
This article explores whether and to what extent experiences of misrecognition among early childhood educators in German daycare centers initiate collective struggles for recognition. The focus lies on strike motivations not solely driven by wage demands but rooted in symbolic devaluation, denied expertise, and gender-based discrimination. Based on group discussions and expert interviews, the analysis shows that these are not merely wage disputes, but recognition struggles. The findings support Fraser’s concept of “perspectival dualism”: symbolic and economic injustices intersect structurally in care work. Collective mobilization is facilitated when individual experiences are embedded in shared interpretive frameworks through collective semantics. Strikes in feminized care professions thus appear as sociopolitical struggles over recognition, visibility, and gendered power relations.