Dialektik der Anerkennung: Emanzipation und Unterwerfung
Stephan Voswinkel
Zusammenfassung
‚Anerkennung‛ wird in diesem Beitrag als ein widersprüchliches Kon zept verstanden. Ansprüche auf Anerkennung wirken emanzipativ gegen bestehende Missach tungsverhältnisse in der Arbeit, aufgrund ihres starken Bedürfnisses nach Anerkennung wer den die Menschen aber zugleich an die Anerkennungserwartungen der Gesellschaft oder auch der Organisationen gebunden. Oftmals wirkt Anerkennung sogar gerade wegen ihrer positiven Folgen für die Menschen unterwerfend. Anerkennungsansprüche an die Arbeit zu identifizie ren ist eine wesentliche Aufgabe einer kritischen Arbeitssoziologie, die Anerkennung aber zu gleich als eine wesentliche Form der Bearbeitung des Transformationsproblems der Arbeit verstehen muss. Widersprüche zwischen verschiedenen Arenen und Modi der Anerkennung werden herausgearbeitet und an empirischen Beispielen konkretisiert. Der Beitrag plädiert für ein dialektisches Konzept und gegen eine ‚Wohlfühlsoziologie‛ der Anerkennung.
Title (english)
Abstract (english)
In this article, ‘recognition’ is understood as a contradictory concept. Claims to re cognition have an emancipatory effect against existing conditions of disrespect at work, but due to their strong need for recognition, people are at the same time bound to the recognition expectations of society or organisations. Often, ‘recognition’ even has a subjugating effect on people precisely because of its positive consequences. Identifying recognition expectations of work is an essential task of a critical sociology of labour, which must also understand ‘recog nition’ as an essential form of dealing with the transformation problem of work. Contradic tions between different arenas and modes of recognition are elaborated and concretised using empirical examples. The article argues in favour of a dialectical concept and against a ‘feel good sociology’ of recognition.