Artikel in AIS-Studien Jahrgang 15, Heft-Nr. 1 (2022)

Tech Workers und das achtsam-moralische Selbst: Jenseits von Künstlerkritik und Arbeitskraftunternehmer

Robert Dorschel

Zusammenfassung

Der Beitrag analysiert die Subjektivität der soziologisch kaum beleuchteten Wissensarbeiter*innen in der Digitalwirtschaft. Mittels 40 Interviews sowie einer Diskursanalyse werden distinktive Subjektformen von sogenannten „tech workers“ identifiziert, die auf ein Selbst jenseits von „Künstlerkritik“ und „Arbeitskraftunternehmer“ hindeuten. Die neuen Subjektivierungsformen schlagen sich nieder in: 1) einem konfliktiven Gesellschaftsbild, welches durch Achtsamkeit vis-à-vis sozialen Ungleichheiten und einer Rückkehr der Sozialkritik strukturiert wird, 2) Achtsamkeit vis-à-vis psycho-sozialen und ökologischen Ressourcen, 3) einem Lebensstil des Allgemeinen, der gewöhnliche und inklusive Geschmäcker mobilisiert. Diese drei Subjektivierungsformen signalisieren neue normative Orientierungen und eine Absetzbewegung von den Kräftefeldern der Künstlerkritik und des Arbeitskraftunternehmers. Gleichzeitig weist der Beitrag darauf hin, dass dieser Subjektivierungsprozess mit neuen Machtformen und -verhältnissen einhergeht. Neben der Formation eines weiteren Geistes des Kapitalismus wird die Entstehung von moralischen Klassengrenzen kritisch diskutiert. Das achtsam-moralische Selbst der tech workers wird als ambivalenter Subjektivierungsprozess interpretiert, dem Emanzipationspotential wie auch Distinktion und Herrschaftsreproduktion innewohnen.

Title (english)

Tech Workers and the Mindful-Moral Self: Beyond Artistic Critique and the Entreployee

Abstract (english)

This article analyses the subjectivity of the sociologically under explored knowledge workers in the digital economy. Building on 40 original interviews and discourse analysis, the article identifies distinctive forms of subjectivity among so-called “tech workers” that point to a self beyond “artistic critique” and the “entreployee”. The new forms of subjectivity manifest in: 1) a conflictive image of society, which is structured by mindfulness vis-à-vis social inequalities and a return of social critique, 2) mindfulness vis-à-vis psycho-social and ecological resources, 3) a lifestyle of the general that mobilises ordinary as well as inclusive tastes. These three forms of subjectivity signal new normative orientations and a departure from the force fields of the artistic critique and the entreployee. At the same time, it is argued that this subjectivation process generates new forms of power and power relations. The article critically discusses the formation of yet another spirit of capitalism as well as the emergence of moral class boundaries. The mindful-moral self of tech workers is interpreted as an ambivalent subjectivation process, which holds potential for emancipation as well as for distinction and the reproduction of relations of domination.

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