Artikel in AIS-Studien Jahrgang 4, Heft-Nr. 2 (2011)

Anerkennung als Analysekategorie für erweiterte Arbeit – Erweiterung der Anerkennungstheorie Honneths

Linda Nierling

Zusammenfassung

Die Theorie der Anerkennung von Axel Honneth wurde in arbeits- und industriesoziologischen Forschungsansätzen bereits in unterschiedlicher Weise genutzt, um die Perspektive auf subjektive Bedürfnisse im Arbeitsprozess zu öffnen. Ausgehend von einem erweiterten Verständnis von Arbeit, d.h. einem Verständnis von Arbeit, das neben Erwerbsarbeit weitere Formen von Arbeit wie Familien-, Gemeinschafts- und Eigenarbeit umfasst, soll im Folgenden die These vertreten werden, dass Anerkennungsverhältnisse in „erweiterter Arbeit“ in besonderem Maße von subjektiven Faktoren abhängig sind, die sich nicht mit ökonomischen Kategorien fassen lassen. Um „erweiterte Arbeit“ allerdings angemessen mit der Kategorie der Anerkennung nach Honneth analysieren zu können, ist eine Modifikation von Honneths Theorie vonnöten, da Honneth einen Arbeitsbegriff verwendet, der auf Erwerbsarbeit verkürzt ist. Dabei bedarf insbesondere die Sphäre Solidarität einer konzeptionellen Erweiterung, denn in erweiterten Arbeitsformen hängt die subjektive Bewertung der eigenen Leistung in hohem Maße von „weichen“ Formen der Anerkennung wie persönlichen Beziehungen, der Vervielfältigung persönlicher Leistungskontexte und von eigenen Ansprüchen an Selbstverwirklichung ab. Diese subjektiven Anerkennungschancen des eigenen Arbeitsvermögens sind als additiv zur Erwerbsarbeit zu verstehen, denn die Potenziale des Modells erweiterter Arbeit zeigen sich im Einzelfall auf individueller Ebene. Damit stellt erweiterte Arbeit schwerlich ein gesellschaftliches Lösungsmodell für die vielfältigen Problemlagen des Arbeitsmarktes dar. Vielmehr kann eine erweiterte Perspektive auf die subjektiven Potenziale von Arbeit – jenseits ökonomischer Verwertung – dazu beitragen, wissenschaftliche Debatten um eine Humanisierung und um die individuelle und gesellschaftliche Qualität von Arbeit (wieder) zu führen.

Title (english)

Social Recognition as a scientific approach for extended work – amplification of the theory of social recognition of Axel Honneth

Abstract (english)

Axel Honneth’s theory of recognition has already been used in various ways for re-search approaches in the sociology of work to open up the perspective on subjective needs in the work process. Based on a wide understanding of work, i.e. one that includes not only paid work but also other forms of work like family work, community work, or domestic work and Do-it-yourself-work, the theory that the conditions of recognition in a wide concept of work depend specifically on subjective factors which cannot be put into economic categories will be supported in the following. However, to be able to analyse a holistic concept of work appropriately in the category of recognition, a modification of Honneth’s theory is necessary since Honneth uses a concept of work that is reduced to paid work. Especially the sphere of solidarity requires a conceptual expansion; the subjective evaluation of someone’s own performance in the context of a wide concept of work highly depends on “soft” forms of recognition like personal relationships, the duplication of the personal performance contexts, and own standards of self-fulfilment. These subjective possibilities to recognize one’s own work potential can be understood as being additive to paid work since the potential of a wide concept of work will be visible on an individual level in each single case. Thus a holistic concept of work is hardly a societal solution model for the manifold problems of the labour market. Apart from the economic aspect, an expanded perspective on the subjective potentials of work can rather contribute to (renewed) scientific discussions of both the humanization of work and the individual and societal quality of work.

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