Artikel in AIS-Studien Jahrgang 7, Heft-Nr. 2 (2014)

Ungleich, vergleichbar, gleich – auf dem Weg zur geschlechtsneutralen Arbeitswelt? Geschlechtliche Differenzierungsprozesse im Kontext von Arbeit

Pamela Wehling, Katja Müller

Zusammenfassung

Die Geschlechterdifferenz als Prädiktor für den Zugang zu und die Entlohnung von Arbeit wurde bereits im 19. Jahrhundert institutionalisiert und ist bis heute wirksam. An den Fallbeispielen der Leichtlohngruppen sowie der Aufhebung des Nachtarbeitsverbotes für Arbeiterinnen wird gezeigt, wie die Bezugnahme auf Differenzvorstellungen der Geschlechter nach 1945 im Rechtssystem de-legitimiert wurde und welche Konsequenzen hieraus im Hinblick auf die bislang übliche Praxis der geschlechtsspezifischen Entlohnung und Regulierung von Arbeit entstanden. Untersuchungsleitend ist dabei die Fragestellung, ob der rechtlichen De-Legitimierung der Geschlechterdifferenz auch ein institutioneller Wandel im Sinne einer De- bzw. Re-Institutionalisierung (Jepperson 1991) der Geschlechterdifferenz in den Bereichen Arbeitszeit und Entlohnung folgte. So zeigt sich, dass im Fall der Aufhebung des Nachtarbeitsverbotes die funktionale Arbeitsteilung im Alltag die rechtliche De-Institutionalisierung der Geschlechterdifferenz unterläuft während bei den Leichtlohngruppen die Geschlechterdifferenz re-institutionalisiert wird, indem geschlechtsneutrale Kriterien für die Bewertung von Arbeit definiert werden, die jedoch die Differenzannahme weiterführen, wenngleich auch anders arrangiert.

Title (english)

Unequal, comparable, equal – towards a gender-neutral world of work? Sexual differentiation processes in the context of work

Abstract (english)

The interpretative pattern of the gender difference in the context of work was constructed in the 19th century, subsequently there was a gender difference in the regulation of pay and working time. The case studies of low income groups and prohibition of night work for women illustrate how the concept of gender difference was de-legitimized after 1945 and which discursive processes followed this erosion of the usual practice of pay and working time regulations. Relevant for the analysis is the research question of whether an institutional change in the sense of re- or de-institutionalization (Jepperson1991) of the gender difference in the areas of remuneration and working time took place. It becomes apparent that the category gender may not be directly decisive for the access to and remuneration for work, but in both cases, gender is introduced indirectly again: In case of the prohibition of night work the functional division of labor undermines the legal de-institutionalization of the gender difference. Whereas in the low income groups the gender difference is re-institutionalized, by the definition of gender-neutral criteria for the evaluation of work, but which perpetuate the difference assumption, although arranged differently.

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